Grundlagen · Messeportfolio

Welche Messe ist die richtige? Die Vier-Felder-Matrix für Ihr Messeportfolio

TL;DR

Die Frage, auf welche Messe ein Unternehmen gehen soll, wird meistens aus Tradition beantwortet, aus Gewohnheit oder ganz ohne Grundlage. Eine einfache Matrix stellt stattdessen zwei Bewertungen gegeneinander: die Qualität der Messe, die sich von außen auswerten lässt, und die strategische Relevanz, die aus dem eigenen Haus kommt. Daraus entstehen vier Felder mit vier verschiedenen Konsequenzen, vom Must-Have bis zum No-Go. Das Komfortable daran: Beide Achsen lassen sich füllen, ohne jemals den eigenen Messeerfolg gemessen zu haben. Wer eine Messe noch nie bespielt hat, kann sie trotzdem für sich bewerten. Und wer eigene Ergebnisse hat, baut sie als dritte Ebene darauf.

Die Entscheidung, die vor Ebene 1 liegt

Im MesseCode beginnt die Arbeit auf Ebene 1 mit der Frage, was eine Messe leisten soll. Sieben Ebenen später steht eine Visitor Journey. Damit die Messe leisten kann, was sie soll, muss sie allerdings die richtige sein. Das lässt sich vorab prüfen, und zwar in beiden Situationen, in denen sich die Frage stellt.

Ein gewachsenes Messeportfolio. Der Veranstalter meldet sich, die Anmeldefrist läuft, die gewohnte Fläche ist noch frei. Jemand im Haus sagt, da waren wir immer. Jemand anderes sagt, der Wettbewerb ist auch da. Die Fläche wird gebucht. Erst Monate später, beim Briefing für den Standbau, fragt zum ersten Mal jemand nach dem Ziel. Die teuerste Entscheidung des Messejahres fällt in zwanzig Minuten, und alles danach folgt derselben Gewohnheit: Messestand, Catering, Exponate, Team, Hotel.

Die erste Messebeteiligung überhaupt. Ein junges oder kleines Unternehmen überlegt, ob sich eine Beteiligung lohnt, und wenn ja, welche. In fast jeder Branche stehen dann mehrere Messen nebeneinander, die alle von sich sagen, sie seien die wichtigste: die große etablierte, die schnell gewachsene neue und die fachlich engere, auf der angeblich die echten Entscheider sind. Die Websites geben das nicht her, die Vertriebsunterlagen der Veranstalter erst recht nicht.

Beide Fälle brauchen dasselbe: eine Bewertung, die unabhängig davon funktioniert, ob man dort schon gestanden hat und was ein Flyer verspricht.

Warum die üblichen Begründungen nicht tragen

Vier Sätze hört man immer wieder. Sie klingen vernünftig und sind trotzdem keine Entscheidungsgrundlage.

„Da waren wir immer." Das beschreibt die Vergangenheit. Messen verändern ihre Besucherstruktur, manchmal langsam über Jahre, manchmal schnell, weil ein Wettbewerbsformat entsteht oder ein Leitaussteller abspringt. Dass eine Messe vor acht Jahren die richtige war, sagt über heute wenig.

„Der Wettbewerb ist auch da." Das ist ein Argument für Präsenz, kein Argument für Investition. Wenn die ganze Branche an derselben Stelle steht und niemand mehr sagen kann, warum, ist das ein Ritual geworden. Als Signal für die Qualität einer Messe ist der Wettbewerb nützlich. Als Begründung für die eigene Teilnahme reicht er nicht.

„Wir brauchen die Fläche, sonst bekommen wir sie nie wieder." Stimmt oft sogar. Nur beschreibt dieser Satz ein Risiko, keinen Nutzen. Er gehört in die Abwägung, aber nicht an ihren Anfang.

„Wenn wir fehlen, fällt das auf." Manchmal richtig, besonders bei Leitmessen in konzentrierten Branchen. Meistens überschätzt. Und die Frage dahinter lässt sich prüfen: Wem würde es auffallen, und was würde diese Person daraus schließen? Sichtbarkeit durch Abwesenheit kann im Übrigen auch strategisch interessant sein.

Vor der ersten Beteiligung ist das Problem umgekehrt. Dort fehlt nicht die Gewohnheit, dort fehlt die Grundlage. Entschieden wird nach dem Auftritt der Veranstalter, nach Empfehlungen aus dem Netzwerk oder nach der Messe, von der man schon einmal gehört hat. Derselbe Weg, nur ohne eigene Vergangenheit.

Zwei Achsen statt einer Kennzahl

Natürlich lässt sich eine Messe in Zahlen bewerten. Wer das tut, hat eine solide Grundlage. Trotzdem lohnt der Blick über eine einzelne Kennzahl hinaus. Eine Messe mit hervorragender Besucherstruktur, die nichts mit Ihrem Ziel zu tun hat, und eine mittelmäßige Messe, auf der genau Ihre Wunschkunden stehen, bekommen am Ende womöglich denselben Wert. Die Konsequenz daraus ist eine völlig andere.

Deshalb arbeiten wir in unseren Portfolioanalysen mit zwei getrennten Achsen. Entwickelt haben wir das, um für Aussteller mit vielen Beteiligungen Messen vergleichbar zu machen, für die es keine eigenen Erhebungen gibt. Genau das macht die Matrix auch für die erste Messeentscheidung brauchbar.

Achse eins: die Qualität der Messe

Diese Achse beschreibt die Messe selbst, unabhängig von Ihrem Unternehmen. Sie ist für alle Aussteller derselben Messe gleich und lässt sich vollständig von außen auswerten.

  • Besucherstruktur. Aus welchen Branchen kommen die Fachbesucher, in welchen Funktionen, aus welchen Unternehmensgrößen?
  • Entscheidungsbefugnis. Wie hoch ist der Anteil der Besucher mit Entscheidungs- oder Mitentscheidungsbefugnis? Eine Messe mit zwanzigtausend Besuchern ohne Beschaffungskompetenz ist kleiner, als die Zahl behauptet.
  • Reichweite im Zielmarkt. Kommen die Besucher aus den Regionen, in denen Sie verkaufen wollen? Internationale Messen sind nicht automatisch international besucht.
  • Wettbewerbsdichte. Wie viele direkte Wettbewerber stellen aus? Viele bedeuten einen relevanten Marktplatz und einen härteren Kampf um Aufmerksamkeit. Wenige bedeuten entweder eine Lücke oder ein Warnsignal.
  • Belastbarkeit der Zahlen. Sind die Kennzahlen geprüft oder stammen sie aus der Verkaufsunterlage des Veranstalters?

Achse zwei: die strategische Relevanz für Sie

Diese Achse beschreibt Ihr Verhältnis zur Messe, nicht die Messe selbst. Sie entsteht im eigenen Haus und braucht keine Messedaten. Dieselbe Messe kann für zwei Aussteller aus derselben Halle völlig unterschiedlich relevant sein.

  • Zahlt sie auf das Primärziel ein? Wer Ziele sauber priorisiert hat, beantwortet das in einer Minute. Eine Messe, die hervorragend für Bestandskundenpflege taugt, ist für einen Markteintritt vielleicht nutzlos.
  • Trägt sie Ihre Rolle? Es gibt Messen, auf denen ein Spezialist glaubwürdig ist und ein Generalist untergeht, und umgekehrt. Eine Frage der Unternehmens- und Marktrolle.
  • Sind Ihre Wunschkunden dort? Gemeint sind die Unternehmenstypen und Entscheiderpositionen, die Sie als ICP und IVP definiert haben, nicht die Zielgruppe im Allgemeinen.
  • Lässt sich Ihr Angebot dort zeigen? Manche Produkte brauchen Fläche, Medien, Anschlüsse oder eine Vorführsituation. Wo das nicht geht, sinkt die Relevanz, auch wenn alles andere passt.
  • Gibt es einen Anlass? Eine Produkteinführung, ein Markteintritt, eine Partnerschaft. Anlässe verschieben die Relevanz einer Messe für genau einen Durchgang. Das ist legitim, solange es ausgesprochen wird.

Warum das auch ohne eigene Messedaten funktioniert

Eine saubere Erfolgskontrolle setzt voraus, dass man ausgestellt, erfasst und ausgewertet hat. Wer Lead-Management betreibt und Wirkung misst, kann nach zwei Beteiligungen sagen, was eine Messe gebracht hat. Der beste Fall, und er setzt einiges voraus.

Die Matrix braucht ihn nicht. Achse eins kommt aus öffentlich zugänglichen Daten über die Messe. Achse zwei kommt aus Entscheidungen, die Sie ohnehin treffen müssen, unabhängig von jeder Messe. Beides steht zur Verfügung, bevor Sie zum ersten Mal einen eigenen Messestand gebucht haben.

Ein Unternehmen, das noch nie ausgestellt hat, kann also begründet entscheiden. Und wer seit Jahren ausstellt, ohne je ausgewertet zu haben, muss damit nicht warten, bis ein Messecontrolling steht. Die fehlende Erfolgskontrolle ist ein Grund, damit anzufangen. Sie ist kein Grund, die Portfoliofrage zu vertagen.

Die vier Felder

Trägt man beide Achsen gegeneinander auf, entstehen vier Felder. An jedem hängt eine andere Konsequenz, und die ist wichtiger als die exakte Position einer Messe darin.

Die Vier-Felder-Matrix für das Messeportfolio
Strategische Relevanz →
Relevanz hoch · Qualität niedrig Pflichttermin

Die richtigen Leute, die schwache Messe. Hingehen, aber im kleinsten Format, das die Aufgabe erfüllt.

Relevanz hoch · Qualität hoch Must-Have

Hier gehört das Budget hin, und hier lohnt die vollständige strategische Vorbereitung.

Relevanz niedrig · Qualität niedrig No-Go

Nicht ausstellen. Höchstens besuchen, wenn jemand ohnehin in der Nähe ist.

Relevanz niedrig · Qualität hoch Can-Do

Gute Messe, falscher Zweck. Nur mit einem konkreten Anlass, sonst streichen.

Qualität der Messe →
Dieselbe Messe liegt für zwei Aussteller aus derselben Halle oft in verschiedenen Feldern. Die Qualitätsachse ist für beide gleich, die Relevanzachse nicht.

Must-Have

Hohe Qualität, hohe Relevanz. Die Messe, für die zuerst Budget reserviert wird, und die einzige Kategorie, in der sich der vollständige Durchlauf durch alle sieben Ebenen immer rechnet. Hier wird nicht gespart, hier wird priorisiert.

Die unbequeme Nebenwirkung: Die meisten Unternehmen haben weniger Must-Have-Messen, als sie Messen haben. Oft ist es genau eine.

Pflichttermin

Niedrige Qualität, hohe Relevanz. Die Messe ist klein, regional, schlecht organisiert oder in ihrer Besucherstruktur schwach. Trotzdem sind Ihre Wunschkunden dort, vielleicht weil die ganze Branche dieses eine Treffen pflegt.

Hier liegt die häufigste Fehlentscheidung des Messejahres, und zwar in beide Richtungen. Manche sagen ab und verlieren Beziehungen. Andere bauen denselben Messestand wie auf der Leitmesse und zahlen einen Preis, der zum Ertrag nicht passt.

Die Antwort liegt im Format. Ein Pflichttermin braucht Anwesenheit und Gesprächszeit, keine Inszenierung. Ein kleiner Messestand, ein Tisch im Gemeinschaftsbereich, ein Vortragsslot ohne eigene Fläche, ein Besuch mit vorab terminierten Gesprächen: Alles das erfüllt die Aufgabe, solange die Entscheidung bewusst fällt und nicht als Sparmaßnahme getarnt wird.

Can-Do

Hohe Qualität, niedrige Relevanz. Eine gute Messe, nur eben nicht für Ihr aktuelles Ziel, Ihre Rolle oder Ihre Wunschkunden. In diesem Feld liegen die meisten Altlasten, weil Relevanz sich verändert und Beteiligungen bleiben.

Can-Do heißt: nur mit einem Anlass. Eine Produkteinführung, ein neuer Markt, eine Partnerschaft, die dort sichtbar werden soll. Ohne Anlass wird gestrichen. Und wenn drei Jahre lang keiner auftaucht, war es keiner.

No-Go

Niedrige Qualität, niedrige Relevanz. Die Entscheidung ist einfach, und trotzdem stehen hier erstaunlich viele Messen, die seit Jahren gebucht werden. Fast immer hängt daran eine persönliche Geschichte: ein Kollege, der dort herkommt, ein Verband, dem man verbunden ist, eine Region, in der das Werk steht.

Für einen Besuch sind das keine schlechten Gründe. Für eine Messebeteiligung mit eigenem Stand sind sie zu teuer. Wer eine No-Go-Messe trotzdem bespielt, sollte das aufschreiben, mit dem Grund daneben. Dann ist es eine Entscheidung und keine Gewohnheit.

Der Sonderfall: mehrere Kandidaten, eine Beteiligung

Lautet die Frage „welche von diesen" statt „bleiben oder gehen", wird die Matrix als Rangfolge gelesen. Alle Kandidaten kommen auf dieselben Kriterien. In aller Regel löst sich die Frage dabei von selbst, weil die Messen auf der Relevanzachse weiter auseinanderliegen als auf der Qualitätsachse. Die großen Formate einer Branche ähneln sich in ihrer Qualität oft mehr, als ihr Marketing behauptet. Unterschiedlich ist, wer dort hingeht und warum.

Und für das erste Mal eine Regel dazu: Wer zwischen zwei Kandidaten nicht entscheiden kann, besucht beide als Fachbesucher, bevor er eine davon bucht. Zwei Tagestickets und zwei Bahnfahrten kosten einen Bruchteil der kleinsten Standfläche und beantworten mehr Fragen als jede Unterlage.

Woher die Bewertung kommt

Die häufigste Reaktion auf eine solche Matrix lautet, dass man die Daten dafür nicht habe. Meistens stimmt das nicht.

Geprüfte Messezahlen. Für deutsche Messen zertifiziert die FKM die Kennzahlen und stellt sie frei zur Verfügung. Dort stehen Besucher-, Aussteller- und Flächenzahlen und dazu die Besucherstruktur: Branche, Funktion, Position, Unternehmensgröße, Herkunft und die Beschaffungskompetenz, also der Anteil der Entscheider und Mitentscheider. Damit steht die Qualitätsachse fast vollständig, in einer Viertelstunde. Ist eine Messe nicht zertifiziert, ist auch das eine Information.

Das Ausstellerverzeichnis des Vorjahres. Öffentlich zugänglich und für zwei Fragen nützlich: Wie viele direkte Wettbewerber waren da, und welche Ihrer Wunschkunden waren selbst als Aussteller vor Ort? Letzteres ist in Branchen mit gemischten Rollen oft der stärkste Hinweis überhaupt.

Das Rahmenprogramm. Wer auf den Bühnen spricht und über welche Themen, zeigt, um welche Fragen diese Messe kreist. Bei jungen Formaten sagt das Programm mehr als die Ausstellerliste.

Die Hallenpläne. Wer in welcher Halle steht und wie groß, zeigt die Marktlogik der Messe oft klarer als jede Beschreibung.

Ihr Vertrieb. Vier Fragen in die Runde: Welche Kunden haben Sie zuletzt auf einer Messe kennengelernt? Auf welcher? Welche Messe besuchen Ihre Kunden, ohne dass wir dort sind? Und auf welcher Messe hatten Sie das Gefühl, falsch zu sein?

Das ist keine Marktforschung. Es ist eine begründete Einschätzung, und die schlägt jede Runde, in der vier Leute aus dem Bauch heraus argumentieren.

Die Ausbaustufe: eigene Ergebnisse dazunehmen

Mit eigenen Zahlen wird die Matrix deutlich schärfer, und beide Achsen verändern sich.

Die Qualitätsachse bekommt eine zweite Quelle. Neben der ausgewiesenen Besucherstruktur steht dann Ihre eigene: Wer stand tatsächlich an Ihrem Messestand, in welchen Funktionen, mit welcher Entscheidungsbefugnis? Beides weicht regelmäßig voneinander ab, und diese Abweichung ist die eigentliche Erkenntnis. Eine Messe kann hervorragende Zahlen ausweisen und trotzdem die falschen Menschen an Ihren Stand bringen, weil Ihre Position auf dem Gelände oder Ihr Thema andere anzieht.

Die Relevanzachse bekommt ein Ergebnis statt einer Annahme. Aus „diese Messe müsste auf unser Primärziel einzahlen" wird „diese Messe hat im letzten Durchgang so viele qualifizierte Kontakte in der Zielbranche gebracht". Dafür braucht es kategorisierte Gespräche, also ein funktionierendes Lead-Management.

Über zwei Beteiligungen hinweg entsteht daraus ein Vergleich zwischen Messen, den keine externe Quelle liefert. So beginnt Portfoliomanagement. Die Reihenfolge bleibt dabei wichtig: erst die Matrix aus öffentlichen Daten, dann die eigenen Ergebnisse. Wer auf die eigenen Zahlen wartet, bevor er das Portfolio anschaut, wartet Jahre.

Portfolio statt Einzelentscheidung

Die Matrix nützt erst, wenn alle Messen gleichzeitig darin stehen. Einzeln betrachtet lässt sich fast jede Beteiligung begründen. Nebeneinander wird sichtbar, was sie zusammen kosten und wie ungleich das Budget verteilt ist.

Typisches Bild aus der Praxis: Ein Unternehmen bespielt sieben Messen. Eine davon ist Must-Have, zwei sind Pflichttermine, drei Can-Do ohne aktuellen Anlass, eine No-Go. Das Budget verteilt sich ungefähr gleichmäßig. Nach der Matrix müsste es das nicht.

Dazu kommt der Zeitraum. Nicht jede Messe muss jedes Mal stattfinden. Ein Zweijahresrhythmus auf einem Nebenmarkt ist eine legitime Entscheidung, besonders wenn das freiwerdende Budget auf der Must-Have-Messe ankommt. Für die meisten Aussteller ist das die schnellste Verbesserung, die zu haben ist, und sie kostet keinen Cent zusätzlich.

Wie man eine Messe beendet

Der schwierigste Teil ist nicht die Bewertung. Es ist der Abschied.

Eine Messe zu beenden, erzeugt intern Widerstand und extern Fragen. Der Veranstalter ruft an. Der Vertrieb warnt vor der Signalwirkung. Ein Bestandskunde fragt, ob es dem Unternehmen schlecht geht. Alles vorhersehbar, also vorbereitbar.

Drei Dinge helfen. Erstens eine Begründung, die nach vorn zeigt. Wer sagt, dass das Budget auf eine andere Messe geht und warum, erzählt etwas anderes als jemand, der nur absagt. Zweitens ein Ersatz für die Kontaktpflege. Die Beziehungen, die über diese Messe liefen, brauchen einen anderen Ort: ein eigener Kundentag im Haus, eine Einladung zur Leitmesse, ein Besuch vor Ort. Drittens eine Frist. Eine Pause für zwei Durchgänge und danach eine neue Bewertung ist leichter zu tragen als ein endgültiges Nein, und meistens auch die ehrlichere Aussage.

Die Wiederkehr nach einer Pause ist dabei selten das Problem, für das sie gehalten wird. Wer nach zwei Jahren mit einem klaren Anlass zurückkommt, wird eher wahrgenommen als jemand, der jedes Jahr dieselbe Fläche belegt.

Die typischen Fehler

  • Auf eigene Zahlen warten, bevor man das Portfolio anschaut. Beide Achsen funktionieren ohne sie.
  • Die Matrix einmal ausfüllen und drei Jahre nicht anfassen. Messen verändern sich, Ziele auch.
  • Beide Achsen aus dem Bauch bewerten, obwohl geprüfte Zahlen frei verfügbar sind.
  • Qualität und Relevanz vermischen. Eine hervorragende Messe, auf der Ihre Wunschkunden nicht sind, ist für Sie eine schlechte Messe. Das ist keine Kritik an der Messe.
  • Die Bewertung alleine machen. Ohne den Vertrieb fehlt die halbe Wirklichkeit.
  • Pflichttermine wie Leitmessen behandeln. Die teuerste Verwechslung in dieser Matrix.
  • Das Ergebnis nicht aufschreiben. Was nicht dokumentiert ist, wird im nächsten Frühjahr wieder von vorn diskutiert, meistens mit demselben Ausgang.
  • Absagen ohne Ersatz. Die Beziehungen, die an einer Messe hingen, verschwinden nicht. Sie werden nur nicht mehr gepflegt.

Was Sie jetzt tun können

Zeichnen Sie zwei Achsen auf ein Blatt Papier.

Wenn Sie bereits ausstellen: Tragen Sie jede Messe ein, auf der Sie in den letzten zwei Jahren waren, und jede, über die intern schon gesprochen wurde. Dann drei Fragen. Wie viele Ihrer Messen liegen im Must-Have-Feld? Welche liegt im Can-Do-Feld, obwohl seit Jahren kein Anlass aufgetaucht ist? Und welche Beteiligung würden Sie heute zum ersten Mal buchen, wenn sie nicht schon im Kalender stünde?

Wenn Sie vor der ersten Beteiligung stehen: Tragen Sie alle Messen ein, die infrage kommen, auch die, die Ihnen zu groß oder zu teuer erscheinen. Holen Sie für jede die Besucherstruktur. Danach bleiben erfahrungsgemäß zwei übrig, und die sehen Sie sich als Besucher an, bevor Sie buchen.

Wenn die letzte Frage unangenehm wird, haben Sie Ihren Anfangspunkt gefunden.

Wie belastbar die Entscheidungen dahinter sind, zeigt der Strategie-Test in wenigen Minuten, ohne Anmeldung. Die vollständige Methode für die Messe, die Sie behalten, steht im MesseCode-Playbook.

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Die beste Messestrategie nützt wenig auf der falschen Messe.

FAQ: die richtige Messe auswählen

Wie wählt man die richtige Messe aus?

Mit zwei getrennten Bewertungen statt einer Begründung. Die erste betrifft die Messe: Besucherstruktur, Anteil der Entscheider, Reichweite im Zielmarkt, Wettbewerbsdichte, Belastbarkeit der Zahlen. Die zweite betrifft Ihr Unternehmen: Zahlt die Messe auf Ihr Primärziel ein, trägt sie Ihre Rolle, sind Ihre Wunschkunden dort, lässt sich Ihr Angebot dort zeigen? Aus beiden entsteht eine Vier-Felder-Matrix mit vier unterschiedlichen Konsequenzen.

Funktioniert das auch ohne eigene Messedaten?

Ja, und das ist der Hauptnutzen der Aufteilung. Die Qualitätsachse kommt aus öffentlich zugänglichen Daten über die Messe. Die Relevanzachse kommt aus Entscheidungen, die im eigenen Haus ohnehin zu treffen sind. Beides steht zur Verfügung, bevor ein Unternehmen zum ersten Mal ausgestellt hat. Eigene Messeauswertungen machen die Bewertung später schärfer, sie sind aber keine Voraussetzung.

Was sind die Achsen der Vier-Felder-Matrix?

Die eine Achse ist die Qualität der Messe, also wie gut sie als Marktplatz funktioniert, unabhängig von Ihrem Unternehmen. Die andere ist die strategische Relevanz, also was diese Messe für Ihre Ziele, Ihre Rolle und Ihre Wunschkunden bedeutet. Die Qualitätsachse ist für alle Aussteller einer Messe gleich. Die Relevanzachse ist für jeden anders.

Was bedeuten Must-Have, Pflichttermin, Can-Do und No-Go?

Must-Have heißt hohe Qualität und hohe Relevanz: Hier gehört das Budget hin. Pflichttermin heißt hohe Relevanz bei schwacher Messe: hingehen, aber im kleinsten Format, das die Aufgabe erfüllt. Can-Do heißt gute Messe ohne aktuelle Relevanz: nur mit konkretem Anlass. No-Go heißt beides niedrig: nicht ausstellen, höchstens besuchen.

Wie entscheide ich zwischen zwei oder drei Messen derselben Branche?

Alle Kandidaten werden auf denselben Kriterien bewertet und in dieselbe Matrix eingetragen. Meistens liegen sie auf der Qualitätsachse näher beieinander, als ihr Marketing vermuten lässt, und unterscheiden sich deutlich auf der Relevanzachse. Bleiben zwei gleichauf, ist der Besuch als Fachbesucher die günstigste Entscheidungshilfe, die es gibt.

Woher bekomme ich belastbare Zahlen zu einer Messe?

Für deutsche Messen aus der FKM-Datenbank. Die FKM zertifiziert Aussteller-, Besucher- und Flächenzahlen und veröffentlicht dazu die Besucherstruktur nach Branche, Funktion, Position, Unternehmensgröße, Herkunft und Beschaffungskompetenz. Der Zugang ist frei. Dazu kommen das Ausstellerverzeichnis des Vorjahres, das Rahmenprogramm und die Hallenpläne. Ist eine Messe nicht zertifiziert, gehört die Herkunft ihrer Zahlen in die Bewertung.

Wie viele Messen sollte ein Unternehmen bespielen?

Dafür gibt es keine Zahl, die unabhängig vom Ziel gilt. Nützlicher ist die Verteilung: Wenn das Budget gleichmäßig über alle Beteiligungen läuft, obwohl nur eine davon im Must-Have-Feld liegt, stimmt die Gewichtung nicht. Für ein junges Unternehmen ist eine gut vorbereitete Beteiligung fast immer besser als zwei halbe.

Sollte man eine Messe absagen, auf der der Wettbewerb ausstellt?

Die Anwesenheit des Wettbewerbs zeigt, dass dort ein Markt stattfindet, und ist insofern ein Hinweis auf die Qualität der Messe. Als alleinige Begründung für die eigene Teilnahme trägt sie nicht. Entscheidend bleibt, ob Ihre Wunschkunden dort sind und ob die Messe auf Ihr Primärziel einzahlt.

Wie beendet man eine Messebeteiligung, ohne Beziehungen zu beschädigen?

Mit drei Vorbereitungen. Eine Begründung, die nach vorn zeigt, also wohin das Budget stattdessen geht. Ein Ersatz für die Kontaktpflege, zum Beispiel ein eigener Kundentag oder eine Einladung zur Leitmesse. Und eine Frist statt eines endgültigen Nein: eine Pause für zwei Durchgänge mit anschließender neuer Bewertung.

Wie oft sollte die Bewertung wiederholt werden?

Einmal jährlich, am besten vor der Budgetplanung und nicht erst, wenn die Anmeldefristen laufen. Die Qualitätsachse ändert sich langsam, die Relevanzachse schnell, weil sie an Zielen und Rolle hängt. Ein neues Primärziel kann eine Messe über Nacht aus dem Must-Have-Feld herausbewegen.

Quellen

  1. FKM Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen, zertifizierte Messedaten und Besucherstrukturdaten
  2. fairconcept MesseCode-Playbook, Ebenen 1, 2 und 4
  3. Eigene Projekterfahrung aus Portfolioentscheidungen mit Ausstellern, anonymisiert
So geht es weiter

Drei Wege, sich dem MesseCode zu nähern.

01 Niedrige Schwelle

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03 Direkter Kontakt

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